Schleswiger Nachrichten vom 28.10.2011
Scherf schüttelt 500 Landfrauenhände Doppelter Verbandstag: Bremens Ex-Bürgermeister wirbt für die Senioren-WG und einen anderen Umgang mit den Alten
Er schüttelt, schüttelt und schüttelt. Fünf Lieder des Chores Colores sind verklungen, die Begrüßungsreden haben begonnen. Doch Henning Scherf hat die Ruhe weg - und noch ein paar Reihen vor sich, bis er auch das Letzte von knapp 500 Landfrauen-Händepaaren geschüttelt hat. Keine Angst vor den Alten! Und keine Angst vorm Alter! Dazu fordert Bremens Ex-Bürgermeister am Mittwochabend knapp 500 Landfrauen in Schleswig auf.
Scherf zieht in der "Casa Cultura" schon beim Händeschütteln in der letzten Reihe, von der er sich nach vorn vorarbeitet, alle Blicke auf sich. Mehr als zwei Meter Körpergröße machen den Festredner im sitzenden Meer der geballten Frauenpower des gemeinsamen Verbandstags der Landfrauen-Kreisverbände Flensburg und Schleswig unübersehbar. Der ergraute Rentner zeigt mit jeder Geste, dass er das Leben, das gemeinsame Erleben mit anderen Menschen mit 71 genauso liebt wie mit 51. Damit ist Scherf selbst das beste Argument für seine These "Alt ist bunt", zugleich Titel seines Bestsellers - und Motto des Verbandstags.
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Altwerden ist auf dem Land - besonders für Frauen - noch immer von Einsamkeit, Immobilität und Rückzug geprägt. Das wollen die Landfrauen ändern. Henning Scherf, der seit Jahrzehnten in einer Alten-WG lebt, zeigt, dass es auch lebenswerter gehen kann. Bereits mit Mitte 40, nachdem die drei Kinder aus dem Haus sind, entschließen sich die Scherfs, mit acht Freunden einen Altbau mitten in Bremen zum gemeinsamen Zuhause umzugestalten. Schon wenige Jahre später wird die erste Bewohnerin schwer krank, wird bis zum Tod von den WG-Bewohnern ver- und umsorgt. "Pflegen können auch Männer", betont Scherf und erntet nicht nur dafür tosenden Beifall.
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Ohne Profis gehe es jedoch nicht. Aber ein guter Mix aus Selbsthilfe, freiwilliger und hauptamtlicher Pflege mache für den SPD-Mann schon allein der sich drastisch verschärfende Mangel an Pflegekräften erforderlich. Das außergewöhnliche Wohnkonzept habe sich mehr als bewährt. "Wir möchten mit Menschen alt werden, die sich gegenseitig persönlich schätzen, die beieinander bleiben wollen", erläutert der frei und rhetorisch exzellent Redende. Diese Solidarität sei in den meisten Familien heute nicht mehr möglich.
Scherf zeigt auch, dass die Alten keine Bedrohung, sondern ein Gewinn für die Gesellschaft sind. Zum Beispiel für Enkel oder fremde Kinder, denen Scherf regelmäßig in einer Schule vorliest. Rentner hätten heute oft noch fast 30 Jahre Leben vor sich. "Wunderbare Bedingungen, weil wir noch fit sind und Zeit haben - zum Einmischen und Gestalten", sagt Scherf schmunzelnd. Wegen ihres ehrenamtlichen Engagements und ihrer vielen Kompetenzen müsse ein anderer Umgang mit Senioren in Stadt und Land eingeläutet werden, fordert der Redner.

v.l.: Andrea Gosch-Petersen und Birgit Feddersen Die Angst vor den Alten und vorm Altern ist bei weitem nicht das einzige heiße gesellschaftliche Eisen, das die Landfrauen anpacken. Das zeigt eindrucksvoll die gemeinsame Rede der beiden Vorsitzenden Birgit Feddersen (Flensburg) und Andrea Gosch-Petersen (Schleswig). Absicherung von Frauen auf Höfen bei Unfällen und Krankheit, die Chancen und Grenzen von erneuerbaren Energien, die Optimierung der medizinischen Versorgung auf dem Land und kritische Aspekte für die Hofübergabe sind aktuelle Themen, die die stärkste Lobby der Frauen auf dem Land bearbeitet und gestaltet. Und auch den Aktiv-Regionen Mitte des Nordens, Schlei-Ostsee und Eider-Treene-Sorge drücken die Landfrauen ihre Passion für mehr Lebensqualität auf dem Land auf.
"Wir haben eben Lust am Mitmischen - schon dadurch ist es ein Glück, Landfrau zu sein", betont Marga Trede, Landeschefin der Landfrauen. Das bestätigt Bogislav-Tessen von Gerlach. "Ich habe hohe Wertschätzung dafür, wie Landfrauen den Spagat zwischen Tradition und Moderne meistern." Ein Thema, das den Landrat und die Landfrauen bewegt, ist die Verdrängung traditioneller Feldprodukte durch den Maisanbau. Mehr als 60 Prozent der Ackerflächen im Kreis würden bereits für den Anbau von Energie- und Futtermais genutzt. "Die Folgen für unsere Kulturlandschaft sind gravierend", so von Gerlach. Den Bauern macht er keinen Vorwurf, sondern denen, die die politischen Anreize geschaffen haben.
Besucherinnen des KreisLandFrauenTags
Gemeinsamer KreisLandFrauentag Schleswig und Flensburg Ob blond, ob grau - das Leben ist bunt!
Der Bauernblattartikel vom 12. November 2011 (Ausgabe 45) steht Ihnen als Download zur Verfügung. |
LandFrauenKreisVerband Schleswig-Flensburg Kreisteil Schleswig e. V.
„Unterwegs zu neuen Chancen“
Erstmals standen die bundesweiten Aktionstage der LandFrauenVerbände aus ganz Deutschland unter einen gemeinsamen Motto: „Unterwegs zu neuen Chancen“. Mit 500.000 Mitgliedern ist der Deutsche LandFrauenVerband (dLV) politischer Interessenvertreter und Stimme für Frauen und ihre Familien im ländlichen Raum. Bildungsveranstaltungen in über 12.00 Ortsvereinen und KreisVerbänden greifen aktuellegesellschafts- und sozialpolitische Themen auf.
An den Aktionstagen werden Spenden zugunsten der Stiftung „Eine Chance für Kinder“ unter der Schirmherrschaft von Bettina Wulff gesammelt. Diese Initiative setzt sich unter anderem für den Aufbau eines Bundesweiten Netzwerkes von Familienhebammen ein.
Der KreisVerband Schleswig beteiligte sich mit einer Fahrt in die Seestermüher Marsch an dieser Aktion.
Bei schönstem Wetter machten sich 45 LandFrauen auf den Weg zu einer Rundreise durch die Seestermüher Marsch.
In Norderende stieg Frau Annegret Hamster zu und übernahm die Reiseleitung. Frau Hamster ist LandFrau und war 17 Jahre Vorsitzende des Haseldorfer LandFrauenvereins. Seit 25 Jahren zeigt Frau Hamster interessierten Gruppen ihre Heimat die Haseldorfer Marsch und seit diesem Jahr nun auch die Seestermüher Marsch.
Frau Pastorin Feddersen erwartete uns vor der Seester St. Johannis Kirche und erläuterte uns die Geschichte der Kirchengemeinde Seester. Die Kirchengemeinde Seester wurde 1223 erstmals urkundlich erwähnt. Das Gotteshaus wurde wohl als Nachfolger einer in den Sturmfluten verloren gegangenen Kappelle um 1428 gebaut. Mehrfache Renovierungen und Reparaturen gaben der Kirche ihr heutiges Gesicht.
Das anschließende Mittagessen wurde im Restaurant „To`n Vossbau“ in Seestermühe eingenommen.
Nach dem Essen und einen kleinen Fußmarsch besuchten die LandFrauen die Fliesen- manufaktur von Frau van Hees.
Entsprechend ihrer Philosophie die alte Fayencetechnik aufrecht zu erhalten, fertigt sie delfter Fliesen und Fliesenbilder nach Originalvorlagen und in historischer Handwerkskunst. Die Herstellung ist, was die Handarbeit betrifft, gleich wie vor 200 Jahren. Nur dadurch entsteht ein Produkt, das den original delfter Fliesen sehr nahe kommt.
Weiter ging es durch die Reizvolle Landschaft vorbei an historischen Bauernhäusern und Gärten in Richtung Herrenhaus des Grafen von Kielmannsegg. Dort angekommen erzählteFrau Hamster einiges über das Herrenhaus und des im Park gelegenen Teehauses.

Frau Hamster, die Dame in der Mitte ganz in weiß, mit der Gruppe
im Parkgeländer des Gutshofes der Grafen zu Kielmannsegg.
Die letzte Station der Rundreise war ein sehr schönes Hof Café in Holm, dort stärkten wir uns bei Kaffee und Kuchen für die Rückreise. In Nordende verabschiedete sich Frau Hamster von den LandFrauen. Die Rundreise durch die Seestermüher Marsch war sehr interessant und informativ. Insgesamt legten die Damen aus 13 Ortsvereinen 6013 KM zurück und sammelten 91,22 € für die Stiftung „Eine Chance für Kinder“.
Gabriela Wisniewski (Schriftführerin) |